Der alte Grenzstein zwischen Wulfen und LippramsdorfVon Ihrer Paul Lippich |
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Da, wo die letzten Ausläufer der Hohen Mark die Grenze zwischen Wuifen und Lippramsdorf bilden, steht ein alter Grenzstein. Er ist nicht leicht zu finden. Durch Dickicht und Büsche führt der Weg. Einsam steht er da, ein Zeuge vergangener Zeiten. Tief ist er schon in den Waldboden eingesunken, lichtes Moos umkleidet ihn und Brombeeren haben ihre Ranken um ihn geschlungen. Entfernt man das Mooskleid etwas, so zeigt er eine rätselhafte Inschrift, und ein Riß, wie von einem furchtbaren Säbelhieb, wird sichtbar. Nicht immer soll der Stein dort gestanden haben; und blutiges Geschehen erzählt die Sage von seiner Herkunft. Es war in der ,,kaiserlosen schrecklichen Zeit", als in unserem Vaterlande Gewalt vor Recht ging und nur das Recht des Stärkeren galt, als auch die Dörfer Wulfen und Lippramsdorf in Fehde lagen. Der Streit ging um ein Waldstück, auf welches beide Gemeinden Anspruch erhoben; denn viel Hochwild stand darin, und die Tagd lohnte sich wohl. Diese Streitigkeiten, führten schließlich zu regelrechten Kampfhandlungen. Als die Lippramsdorfer wieder einmal in dem strittigen Walde jagten, da ertönte in Wulfen die Sturmglocke, und bewaffnet eilten die Männer von Wulfen herbei, um ihr Recht zu verteidigen. Es gab einen heftigen Kampf, aber den starken Fäusten der Wulfener Bauern konnten die Lippramsdorfer nicht standhalten und ergriffen darum die Flucht. Ihre letzte Hoffnung war, das jenseitige Lippeufer zu erreichen. Die Sieger aber verfolgten sie, und an den Ufern der Lippe kam es noch einmal zu einem Handgemenge. Dabei erschlug der Anführer der Wulfener einen Mann der Lippramsdorfer. Voll Freude und Stolz über den errungenen Sieg kehrten die Wulfener heim, und noch lange erzählte man sich beim Herdfeuer von dem siegreichen Kampfe. Als die Lippramsdorfer nun einsahen, daß sie aus eigener Kraft nut den Wulfenern nicht fertig werden konnten, führten sie Klage bei dem damaligen Landesfürsten, dem Bischof in Münster. Dieser meinte, daß die Wulfener eine schlimme und verabscheuungswürdige Tat begangen hätten, da sie einen hilflosen Feind erschlagen hätten, und dafür müßten sie Sühne leisten. Die Gemeinde Wulfen mußte den Lippramsdorfern soviel in purem Silber zahlen, als das Gewicht des Erschlagenen betrug. Außerdem durften die Lippramsdorfer ihre Grenze soweit vorlegen, als ihr stärkster Mann jenen Stein, der noch den Säbelhieb zeigte, auf welchem der Lippramsdorfer Mann erschlagen worden war, auf Wulfen zugetragen konnte. Wulfen konnte jedoch die Silbermenge nicht aufbringen, und da erbot sich der Herr vom Schlosse Lembeck an ihrer Stelle zu zahlen. Dafür mußte aber die Gemeinde ihm die Gemeindewiesen, die zwischen dem Dorf und der Wienbeck lagen, abtreten. -So haben die Wulfener ihren Sieg teuer bezahlt, und es ist erklärlich, daß dadurch die nachbarlichen Beziehungen zwischen Lippramsdorf und Wulfen in der nachfolgenden Zeit nicht besser wurden. Auch heutigen Tags soll sich dieses noch dann und wann auswirken; ob allerdings daran noch der alte Grenzstein schuld ist, weiß die Sage nicht zu melden. |
Quelle: 800 Jahre Gemeinde Wulfen St. Matthäus 1173 - 1973 |