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Im vorigen Jahre versuchte ich eine Fastnachtsversammlung in der Dorfnachbarschaft Wulfen zu schildern. Da wir nun einmal bei den freudigen Ereignissen, die in den Familien der Nachbarschaften gefeiert werden, angefangen sind, so soll meine Aufgabe darin bestehen, als Fortsetzung die Bräuche einer Hochzeitsfeier zu beschreiben, und zwar zunächst der Gästebilder und das Brautwagenfahren und der ,Juffernabend".
Einige Tage vor der Hochzeitsfeier ladet der Gästebitter, der gewöhnlich ein Nachbar der Braut oder des Bräutigams ist, die verwandten und befreundeten Familien zu dem Feste ein. Mit einem geschmückten Stock in der Hand begibt er sich zu den einzelnen Häusern und mit dem bekannten Gästebidderspruch, der schon in dem Kalender von 1926 veröffentlicht worden ist, begrüßt er die Bewohner und ladet alt und jung zur Hochzeitsfeier ein. Nachdem er sich für das gespendete Trinkgeld bestens bedankt hat, verabschiedet er sich und setzt seinen Weg nach dem folgenden Hause fort. In dieser Weise nimmt die Einladung meistens 2-3 Tage, oft auch noch länger in Anspruch.
Die Hochzeitsfeier wird gewöhnlich an einem Dienstag abgehalten. Am Samstag vorher wird der sogenannte Brautwagen gefahren. Wir wollen annehmen, daß die Tochter eines Landwirts sich mit einem Landwirtssohn verheiraten will.
Die Aussteuer der Braut muß zum Hause des Bräutigams befördert werden. Die Nachbarn der Braut versammeln sich zur festgesetzten Zeit in dem Hause der Braut. Zwei Nachbarn bespannen je einen großen Leiterwagen mit zwei Pferden. Die Mähnen und der Schweif der Pferde werden mit farbigen Bändchen geschmückt, ebenfalls schwingt der Fuhrmann eine geschmückte Peitsche in der Hand.
Die Möbeln: Betten, Schränke, Kommoden, Truhen, Tische und Stühle, sowie die in Körben verpackten Kleider, Wäsche, Porzellan, und was sonst noch alles zur Au~ steuer gehört, werden sorgfältig von den Nachbarn aufgeladen. Vorn auf dem Wagen steht ein großer Reisigbesen, das Zepter der Frau, und in demselben ist ein lebender Hahn als Symbol der Wachsamkeit festgebunden. An der Seite des Wagens hängt ein
mit Draht befestigter, mächtiger Schinken. Zwei oder drei Nachbarinnen setzen sich vorn auf den Wagen, und nachdem sich die Gästebidder noch mit einem nicht zu kleinen Krug mit Branntwein versehen haben, setzen sich die Pferde unter dem lauten Gejauchze der auf dem Wagen sitzenden Frauen in Bewegung, begleitet von den Eltern und sämtlichen Nachbarn der Braut. Hinter dem Wagen führt der Bruder meistens eine mit einem Blumenkranz gezierte Kuh, die auch zur Mitgift gehört. Aber kaum ist man eine kurze Strecke weit gefahren, so kommt der Zug an einigen Häusern vorbei. Die Frauen auf dem Wagen kündigen das Ankommen durch ein starkes, freudiges Gejauchze an. Die Leute kommen aus den Häusern; in aller Eile wird ein Seil quer über den Weg gespannt. Der Wagen muß halten. Es wird nach dem Reisepaß gefragt. Einer der Nachbarn zeigt ein humorvoll verfaßtes Schriftstück, das als Paß gelten soll. Dieses wird geprüft und nach einigen Beanstandungen als richtig anerkannt. Nachdem nun die vorstehenden Männer je ein oder zwei Glas aus dem Kruge bekommen haben, kann die Fahrt weiter fortgeführt werden.
Bei dieser Gelegenheit wird meistens auch versucht, den an dem Wagen hängenden Schinken zu stibitzen, was aber in den wenigsten Fällen gelingt, da man auf diesen Vorgang vorbereitet ist und immer einer der Nachbarn ein wachsames Auge für dieses kostbare Kleinod hat. Ist es aber trotzdem mal gelungen, den Schinken zu erobern, dann muß derselbe durch Einschenken von einigen Gläsern Branntwein wieder eingelöst werden.
Solche hindernde Absperrungen und unfreiwillige Aufenthalte kommen auf der Fahrt bis zum Hause des Bräutigams noch oft vor. Endlich ist man angekommen. Die Frauen lassen noch einmal das laute Gejauchze erschallen. Die Nachbarn des Bräutigams kommen eiligst herbei. Das Heck am Hofe wird geschlossen. Nun setzt en Feilschen, Fordern und Bieten um den Brautwagen ein. Die Nachbarn der Braut wollen für die Mitgift eine Bezahlung haben und stellen eine hohe Forderung an die Nachbarn des Bräutigams. Alles geschieht in sehr drastischer und witziger Weise. Nach langem Hin- und Herhandeln einigt man sich endlich auf eine bestimmte Summe. Diese wird in ,,Gold", d.h. in runden Stücken von den gelben Möhren, aus-gezahlt. Zum letzten Male hört man das Gejauchze der Frauen. Der Schlagbaum wird gehieft und der Wagen fährt auf den Hof bis vor das Haus.
Nun wird die ganze Aussteuer abgeladen. Die sämtlichen Nachbarn, sowohl die der Braut als auch die des Bräutigams, setzen nach Anleitung des Brautpaares die Möbeln an Ort und Stelle, füllen die Schränke und Schubladen mit den mitgebrachten Leinensachen, Kleidern, Porzellan usw. Zuletzt wird das Brautbett aufgestellt und von den Nachbarfrauen ohne Beisein des Brautpaares gemacht. Aber nicht nur die weichen Kissen und Pfühle sowie die blendendweißen Tücher werden hineingelegt, sondern man packt auch allerhand harte Gegenstände hinein, wie Steine, Holzscheiten, Klötze, Buschen usw., so daß das Bett mächtig hoch steht, daß fast eine kleine Leiter zum Einsteigen nötig wäre.
Nachdem nun alles an seinen Platz und in Ordnung gebracht worden ist, setzen sich die Nachbarn an den Kaffeetisch und stärken sich an Butterbrot mit Schinken und Kuchen. Bis zur Abendmahlzeit wird dann gesungen, Karten gespielt, getrunken, und alle bleiben in ganz fröhlicher Stimmung, bis die dampfenden Schüsseln mit Suppe, Fleisch, Braten und Kartoffeln zum Abendessen wieder einladen. So haben die Nachbarn nach der Arbeit schon einen kleinen Vorgeschmack von der am Dienstag darauf folgenden Hochzeitsfeier.
Mittlerweile ist dann nach dieser Stärkung die Stunde der Heimkehr gekommen. Die Männer nehmen noch ein Glas Bier oder einen Schnaps, die Frauen meistens einen
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